— Opa, hallo. Es scheint, dass es bei uns einen „Bühnenwechsel“ gegeben hat. Meine Sachen stehen bereits im Hausflur, und in der Wohnung ist die „perfekte“ Alina eingezogen…
Am anderen Ende der Leitung wurde es einige Sekunden lang still.
— Ana… sag mir, dass du scherzt, sagte schließlich mein Großvater Viktor ruhig.
— Leider nicht. Meine Schwiegermutter hat das Schloss ausgetauscht. Andrei sagt, „Mama weiß, was das Beste ist“. Ich bin noch im Krankenhaus mit dem Baby.
Ich hörte, wie mein Großvater tief einatmete.
— Gut. Du regst dich jetzt nicht auf. Kümmere dich um das Kind und ruh dich aus. Um den Rest kümmere ich mich.
— Opa…
— Sag nichts. Ich komme sofort.
Er legte auf.
Ich saß auf dem Krankenhausbett und hielt mein schlafendes Baby im Arm. Mein Sohn war erst drei Tage alt.
Seltsamerweise fühlte ich keine Wut. Nur eine kalte Entschlossenheit.
Denn ich wusste genau, wie diese Geschichte enden würde.
Am nächsten Morgen wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen.
Vor dem Eingang wartete bereits mein Großvater Viktor. Elegant wie immer, mit seinem Spazierstock und diesem Blick, der früher ganze Gerichtssäle zum Schweigen bringen konnte.
— Lass mich meinen Urenkel sehen, sagte er lächelnd.
Ich legte ihm das Baby vorsichtig in die Arme.
— Ein schöner Junge. Der wird Charakter haben, murmelte er.
Dann sah er mich ernst an.
— Komm. Wir fahren nach Hause.
Als wir vor dem Haus ankamen, sah ich sofort meine Taschen auf dem Flur stehen. Genau wie Andrei es gesagt hatte.
Großvater betrachtete sie ruhig.
— Interessant.
Er klopfte an die Tür.
Meine Schwiegermutter Maria öffnete.
— Viktor? Was machen Sie hier?
Dann bemerkte sie mich und das Baby.
Ihr Gesicht wurde sofort hart.
— Ana, ich habe dir schon gesagt: Du musst dich entscheiden, ob du eine richtige Ehefrau sein willst oder nicht. Andrei braucht eine ruhige Frau, nicht eine mit ständigem Karrierewahn. Alina hilft uns jetzt im Haushalt.
Hinter ihr erschien Alina.
Im Morgenmantel.
In meiner Wohnung.
— Guten Tag… sagte sie leise.
Mein Großvater hob eine Augenbraue.
— Sehr interessant.
In diesem Moment kam auch Andrei aus dem Wohnzimmer.
Als er mich mit dem Baby sah, blieb er wie erstarrt stehen.
— Ana… du solltest jetzt nicht kommen. Mama hat gesagt, wir reden später darüber.
Großvater klopfte leicht mit dem Stock auf den Boden.
— Perfekt. Dann reden wir eben jetzt.
Meine Schwiegermutter verschränkte die Arme.
— Diese Wohnung gehört meinem Sohn. Wenn Ana keine gute Ehefrau sein kann, hat sie hier nichts zu suchen.
Großvater nahm ruhig eine Mappe aus seiner Tasche.
— Frau Maria, bitte lesen Sie dieses Dokument.
Er reichte ihr das Papier.
Sie nahm es selbstsicher… begann zu lesen… und ihr Gesicht verlor plötzlich jede Farbe.
— Der Eigentumsnachweis, sagte Großvater ruhig.
Andrei trat näher.
— Ich verstehe nicht…
Großvater lächelte leicht.
— Diese Wohnung war mein Hochzeitsgeschenk für meine Enkelin. Ana ist die einzige Eigentümerin.
Stille.
Meine Schwiegermutter wurde kreidebleich.
— Aber… aber Andrei wohnt hier!
— Als Ehemann der Eigentümerin. Mehr nicht.
Alina machte einen Schritt zurück.
Andrei starrte mich an, als würde er mich zum ersten Mal sehen.
— Ana… warum hast du mir das nie gesagt?
Ich zuckte mit den Schultern.
— Du hast nie gefragt.
Großvater sprach ruhig weiter:
— Außerdem ist es juristisch eine sehr schlechte Idee, die Schlösser zu wechseln und den Eigentümer aus seiner eigenen Wohnung zu werfen.
Meine Schwiegermutter begann zu stottern.
— Ich wollte doch nur das Beste für meinen Sohn…
— Dann wäre es vielleicht klug, wenn Sie schnell eine neue Wohnung für ihn finden. Und für… diese fleißige Haushälterin.
Alina griff sofort nach ihrer Tasche.
— Ich… glaube, ich gehe besser.
Und sie verschwand fast fluchtartig aus der Wohnung.
Andrei wandte sich verzweifelt an mich.
— Ana, warte. Wir können reden. Mama hat ein bisschen übertrieben…
Ich sah ihn ruhig an.
— Gestern hast du mir gesagt, ich hätte hier nichts mehr verloren.
— Nicht ich! Mama!
— Aber du hast zugestimmt.
Er schwieg.
Großvater schaute auf seine Uhr.
— Sie haben zwei Möglichkeiten. Entweder packen Sie Ihre Sachen in Ruhe… oder ich rufe einen Anwalt und die Polizei.
Meine Schwiegermutter sagte nichts mehr.
Zehn Minuten später packten sie hastig ihre Sachen.
Ohne Geschrei.
Ohne Diskussion.
Zum ersten Mal war Maria still.
Als sie mit den Koffern zur Tür gingen, blieb Andrei stehen.
— Ana… lass mich wenigstens meinen Sohn sehen.
Ich sah ihn einige Sekunden lang an.
— Wenn du lernst, ein Vater zu sein und nicht nur der Sohn deiner Mutter… dann reden wir.
Die Tür schloss sich.
Die Wohnung wurde still.
Großvater setzte sich aufs Sofa und lächelte.
— Na also… jetzt ist es wirklich ruhig.
Ich setzte mich neben ihn und hielt mein Baby im Arm.
Die Sonne fiel durch die Fenster mit den neuen Vorhängen, die Alina gerade erst aufgehängt hatte.
Großvater betrachtete den Kleinen.
— Wie heißt er?
— Viktor.
Großvater lachte.
— Sehr gut. Dann wird er von Anfang an wissen, wer hier der wahre Hausherr ist. 🙂
