Admiral Karl Dönitz: 10 Jahre Haft, stiller Tod, Begräbnis ohne militärische Ehren.

Der 6. Januar 1981. Auf dem Waldfriedhof in Aumühle, einem wohlhabenden Vorort von Hamburg, herrscht eine gespenstische Atmosphäre. Es ist bitterkalt. Über 4000 Menschen haben sich versammelt. Es ist eine der größten Ansammlungen von ehemaligen Wehrmachtsoldaten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Sie sind gekommen, um ihren letzten Oberbefehlshaber
Karl Dönitz. Großadmiral, Schöpfer der U-Bootwaffe und für 20 Tage der letzte Reichspräsident von Nazi-Deutschland. Doch etwas fehlt. Es gibt keine militärische Eskorte, keine Salutschüsse, kein Musikkorps der Bundeswehr, das den „Guten Kameraden“ spielt und vor allem keine Uniformen der aktiven deutschen Armee. Das Bundesverteidigungsministerium hat ein striktes Verbot erlassen.

Keine Ehre für Dönitz. Die Offiziere der Bundeswehr dürfen an diesem Grab nicht in Uniform erscheinen. Diese Entscheidung spaltet die Nation. Für die einen ist es ein notwendiger Akt der Distanzierung von einem Kriegsverbrecher. Für die anderen, die Tausenden, die hier im Matsch stehen, ist es ein Verrat an der Soldatenehre.

Wie kam es zu diesem finalen Skandal? Wie verbrachte der Mann, der den Befehl zum uneingeschränkten U-Bootkrieg gab, seine letzten Jahrzehnte? Bereute er? Heute blicken wir hinter die Fassade des „Löwen“, wie ihn seine Anhänger nannten. Wir rekonstruieren seine 10 Jahre im Kriegsverbrechergefängnis Spandau, sein Leben in der Isolation von Aumühle und die dramatischen Tage rund um seinen Tod an Heiligabend 1980.

Das ist die Geschichte vom langen, langsamen Sterben des Karl Dönitz. Kapitel 1: Nürnberg und die 10 Jahre von Spandau, 1946 bis 1956. Um das Ende zu verstehen, müssen wir kurz zurückblicken. 1946 in Nürnberg. Dönitz sitzt auf der Anklagebank. Er rechnet mit dem Todesurteil. Er war Hitlers Nachfolger. Er war tief verstrickt.

Doch das Urteil lautet: Zehn Jahre Haft. Er entgeht dem Galgen, weil sein Verteidiger eine eidesstattliche Erklärung des US-Admirals Chester Nimitz vorlegt, die bestätigt, dass auch die Amerikaner im Pazifik uneingeschränkten U-Bootkrieg führten. „Tu quoque“ – du auch. Das rettet seinen Kopf, aber nicht seine Freiheit.

Er wird in das Kriegsverbrechergefängnis Spandau in Berlin gebracht. Er wird Häftling Nummer 2. Spandau ist ein Ort der absoluten Isolation. Sieben Männer, bewacht von vier Siegermächten. Wie verhält sich Dönitz in diesen 10 Jahren? Er bleibt stur. Die Gefängnispsychologen beschreiben ihn als arrogant, unnahbar und völlig uneinsichtig.

Anders als Albert Speer, der zumindest öffentlich Reue zeigt, beharrt Dönitz darauf, nur seine Pflicht als Soldat getan zu haben. Er hält sich für politisch unschuldig. Er organisiert seinen Alltag penibel. Er treibt Sport, pflegt seinen kleinen Gartenbereich im Innenhof und führt das Kommando über seine Mitgefangenen, soweit diese es zulassen.

Er sieht sich immer noch als Staatsoberhaupt, als Großadmiral. Briefe an seine Frau Ingeborg sind voll von Selbstmitleid und der Überzeugung, Opfer einer Siegerjustiz zu sein. Er schreibt: „Ich habe nichts getan, dessen ich mich schämen müsste.“

Er weigert sich, sich mit den Verbrechen des Holocaust auseinanderzusetzen, obwohl er als einer der höchsten Ränge bei den Posener Reden Himmlers anwesend war. Er blendet die Realität aus. Für ihn existiert nur die saubere Seekriegsführung. Am 1. Oktober 1956 öffnen sich die Tore von Spandau. Dönitz hat seine Strafe auf den Tag genau abgesessen.

Das Verbot der militärischen Ehren war hart, aber historisch konsequent. Die Bundeswehr, eine Armee in einer Demokratie, konnte ihre Tradition nicht auf einen Mann gründen, der den verbrecherischen Krieg bis zur letzten Patrone verlängern wollte. Karl Dönitz bleibt eine der umstrittensten Figuren der deutschen Geschichte.

Ein brillanter Stratege auf See, aber ein politisch blinder oder willentlich ignoranter Vasall eines genozidalen Regimes. Sein Grab in Aumühle existiert noch heute. Es ist ruhig geworden um den Löwen. Die Veteranen sind mittlerweile fast alle ihm gefolgt. Was bleibt, ist die Geschichte und die Warnung, dass militärisches Können ohne moralischen Kompass in den Abgrund führt.

Was denkt ihr? War die Entscheidung der Bundesregierung 1981 richtig, die militärischen Ehren zu verweigern? Oder hätte man den Soldaten vom Politiker trennen müssen? Schreibt eure Meinung respektvoll in die Kommentare.

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