— Mama, Papa, wir sind kein Geldautomat und kein Ferienlager! — Lena beendete das Familiendrama mit einem einzigen Anruf. ?l

— Na, wie gefällt dir der Urlaub, Liebling? Bitte nicht vor Glück in Ohnmacht fallen! — Antonina Petrowna nahm theatralisch ihre Brille ab, verschränkte die Arme vor der Brust und machte ein „Millionengesicht“.

— Das ist doch nicht Anapa für achthundert Rubel, sondern Sotschi! Fast schon Europa! — fügte sie mit einem Seufzer hinzu und schaute auf Lenas Sandalen, als wären es nasse Latschen vom Markt.

Und angefangen hat alles…

…damit, dass ich wieder einmal nicht auf meinem Standpunkt bestanden habe.

— Artjom, lass sie doch alleine fahren! Wir haben ein Jahr lang gespart, geträumt, geplant, — flüsterte ich damals nachts, als es noch Tickets in der Reservierung gab und wir noch Kraft zum Streiten hatten.

Er seufzte nur:

— Mama, du weißt doch, Papa hat sein Leben lang geschuftet… Vielleicht wirklich — lass sie mitkommen. Es ist ja nicht jedes Jahr…

In diesem Moment hätte ich „NEIN“ sagen müssen. Laut. Mit Punkt.

Mit der Faust aufs Kissen. Aber ich lächelte und nickte. Wie eine Dumme.

Und jetzt sind wir hier. Sotschi. Hitze, Meer und… die Schwiegermutter, die sogar am Strand in Perlen erschien.

Nur um „zufällig“ allen zu zeigen, dass sie nicht einfach eine Frau ist — sondern eine elegante Dame alter Schule, die unter der Dummheit der Jugend leidet.

— Na los, Familie! — befahl Viktor Semjonowitsch fröhlich und schleppte einen riesigen Rollkoffer hinter sich her, in dem offenbar entweder eine Balalaika oder sein ganzes Leben Platz gefunden hatte.

— Zeit zum Einchecken!

Schon in der Hotellobby, zwischen Marmorsäulen und dem Geruch klimatisierter Luxusluft, begann das „Sahnehäubchen“.

— Also, hier der Pass, hier die Buchung… Und… oh! — Antonina Petrowna griff dramatisch nach ihrer Handtasche.

— Die Geldbörse… Oh, Lena! Wo ist die Geldbörse?!

— Deine Tasche hast du in der Hand, Tonja… — schnaubte Viktor Semjonowitsch.

— Übertreib nicht.

— Aber darin… nichts! Ich habe sie im Zimmer gelassen, also… zu Hause! In der Kommode! Wie konnte das nur passieren… Das war’s, Rente, Alter, Sklerose… Ich bin die Schande der Familie!

Sie hielt sich so überzeugend die Hand an die Stirn, dass die Rezeptionistin beinahe den Notarzt rief.

Ich stand neben Artjom und spürte, wie meine letzte Geduld mich verließ.

Sie rann direkt durch meine Fersen hindurch, tropfte auf den Marmor, und hinter mir blieb bereits eine Spur brennender Nerven.

— Na gut… — Artjom griff in seine Geldbörse.

— Wir regeln das später.

Und genau in diesem „später“ lag immer der ganze Trick.

„Später“ — das war, wenn wir nach Hause zurückkamen und sie dann wieder „zu wenig hatten“, „in die Datscha investiert hatten“ oder „na, ihr seid doch Familie“. Und alles begann von vorn.

Ich schwieg. Noch.

Die Zimmer hatten natürlich Meerblick.

Also auf den Parkplatz, aber wenn man sich auf die Zehenspitzen stellte und über das Geländer hing, konnte man das Meer sehen.

— Fast wie auf den Malediven, — sagte ich spöttisch zu Artjom.

Er lächelte müde.

— Aber wenigstens sind wir zusammen. Die Eltern sind glücklich, wir erholen uns, du liebst doch das Meer…

Ich wollte sagen:

— Ich habe Artjom geliebt. Bevor er zum „Muttersöhnchen im All-Inclusive-Modus“ wurde.

Aber ich drehte mich einfach weg.

Am dritten Urlaubstag, als die Schwiegermutter bereits ganz offen auf unsere Rechnung im Restaurant Wein für dreitausend bestellte („na, ihr werdet doch nicht dieses… was habt ihr da, Sauvignon? Ganz und gar nichts!“), verstand ich: Ich koche. Und nicht vor Sonne.

Und dann, während des Abendspaziergangs an der Promenade, geschah ein Wunder.

Nicht die Art, bei der Einhörner und Regenbogen erscheinen.

Nein. Ein Wunder in Gestalt einer Frau in einem weißen Leinenkleid, mit silberner Strähne und einer Haltung, bei der sich sogar Antonina Petrownas Rücken plötzlich straffte.

— Lena? Lena Bessonowa? Mein Gott! Ich habe dir doch Persönlichkeitspsychologie unterrichtet! Marina Alexandrowna. Erinnerst du dich?

Ich blinzelte wie eine Eule im Licht.

— Marina Alexandrowna… Sie haben sich ja überhaupt nicht verändert!

— Und du hast dich verändert. Bist sehr erwachsen geworden. Schade nur, dass dein Blick jetzt nicht mehr der gleiche ist wie früher — voller Feuer, voller Ambitionen… Wo sind sie geblieben?

Artjom kam mit zwei Kaffees.

— Und das? — Marina nickte in Richtung meines Mannes.

— Das ist mein Mann. Und unsere… Mitreisenden.

Marina Alexandrowna musterte Artjom, dann — in Richtung von Antonina Petrowna, die mit einem „Gratis“-Glas Wein in der Hand herumstand.

— Lena, waren wir jemals glücklich?

— Wir können es sein. Jetzt, wo wir — Grenzen haben. Freiheit. Und Brandy ohne Vorträge vom sowjetischen Familienoberhaupt.

Wir lachten.

Und da verstand ich zum ersten Mal seit Langem — wir haben überlebt.

Wir haben unsere Familie unter dem Schutt der Eltern hervorgeholt.

Ohne Skandal, aber mit Ehrlichkeit. Ohne Streit, aber mit Grenzen. Mit Liebe, aber nicht blind.

Am nächsten Morgen schrieb Artjom seiner Mutter:

„Mama, wir sind in einer Woche zu Hause. Ohne Gäste. Ohne Gespräche über Geld. Wir sind einfach Familie. Alles andere — wird nicht diskutiert.“

Es kam keine Antwort. Aber auch Schweigen — ist schon eine Antwort.

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