Auf der Bank vor dem Viertel saßen wie jeden Tag alte Damen – in Taschentücher gehüllt, mit wachsamen Augen starrten sie in den Hof. Frau Elisabeth, die strengste von ihnen, erkannte sofort, dass etwas nicht stimmte.
Als sie Marina und Lorenz mit einem Kätzchen sah, das am Schwanz gehalten wurde, stieg sie von ihrem Platz auf und schrie:
– “Lorenz! Was machst du wieder?!”
Das Mädchen zitterte, lief aber nicht davon. Ihr Herz schlug wie verrückt, aber das Aussehen des kleinen Kätzchens – bettelnd und verängstigt – ließ sie davon ab, sich zu bewegen. Lorenz erstarrte, als hätte jemand seine düstersten Absichten gelesen. Er knurrte sich etwas unter die Nase, kletterte in seine Tasche.
In diesem Moment schlug die Tür des Treppenhauses zu. Robert, der Enkel von Frau Elisabeth, rannte aus dem Gebäude – in einer reflektierenden Weste, die gerade ihren Job gewechselt hatte. Als er sah, was vor sich ging, ging er mit entschlossenem Schritt zu Lorenz.
– “Lass ihn sofort gehen!”Er rief so laut aus, dass sogar die Fenster zitterten. Lorenz machte einen Schritt zurück. Für einen Moment war sein Gesicht blass, und seine Hand zuckte zu.
Die Katze landete sanft auf dem Boden. Marina eilte, um ihn einzuholen. Mit einem zitternden, aber warmen Körper drückte er sich an ihre Hände. Frau Elisabeth bewegte sich langsam, aber fest:
– “Du wirst das Kind oder das Tier noch einmal berühren, und es wird wirklich schlecht für dich enden!”
An diesem Abend schlief Marina zum ersten Mal seit langer Zeit ohne Angst ein. Sie nannte das Kätzchen Leo, und er schlief neben ihr ein und schnurrte leise.
Zwei Tage später erschien eine Nachricht auf dem schwarzen Brett:
“Auf Beschluss der Wohngemeinschaft und Anträge an das Rathaus wird Herr Lorenz aus dem Gebäude vertrieben. Sein Platz wird von einem neuen Mieter besetzt.”
Marina lächelte. Manchmal reicht ein “genug” aus, um alles zu ändern.
