Brisanter Reiche-Plan zur Rente: Arbeitgeberpräsident lobt – Sozialverbände schlagen Alarm ?v

Ministerin Reiche fordert längere Arbeitszeiten. Ihr Vorschlag stößt in der Wirtschaft und bei den Sozialverbänden auf Zustimmung und Widerstand.

Berlin – Die Rentenversicherung steht vor großen Herausforderungen: Eine sinkende Zahl von Beitragszahlern muss für eine wachsende Anzahl von Rentenempfängern aufkommen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit als Lösung und fordert die Deutschen auf, mehr und länger zu arbeiten.

Reiches Vorschlag hat eine hitzige Debatte entfacht. Bereits zuvor hatten Bundeskanzler Friedrich Merz und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann ähnliche Ansichten geäußert. Der CDU-Sozialflügel, die SPD und die Linken kritisieren diesen Ansatz scharf.

Kontroverse um Reiches Rentenvorstoß: Sozialverbände über heftige Kritik
Die Sozialverbände reagieren erwartungsgemäß kritisch. Michaela Engelmeier, Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), warnt davor, dass es nicht „zu einer Anhebung des Renteneintrittsalters durch die Hintertür kommen“ dürfe.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnt eine spätere Rente ab. Anja Piel vom DGB betont: „Für gute Renten muss jetzt auf der Einnahmeseite der Rentenversicherung mehr reinkommen.“ Aufgaben wie die Mütterrente sollten aus Steuermitteln finanziert werden.

Pressestatement von Bundeswirtschaftsministerin Reiche
Bundeswirtschaftsministerin Reiche fordert, dass die Deutschen mehr und länger arbeiten sollen. © Katharina Kausche/dpa
Kontroverse um Reiches Rentenvorstoß: Arbeitgeberpräsident nennt Vorschlag überfällig
Aus der Wirtschaft kommen jedoch andere Signale. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger unterstützt Reiches Vorstoß und erklärt: „Wirtschaftsministerin Reiche spricht Klartext – und das ist gut so. Wer jetzt mit Empörung reagiert, verweigert sich der Realität.“ Er fordert eine umfassende Reform, die auch die sozialen Sicherungssysteme umfasst. Dulger mahnt: „Deutschland muss wieder mehr arbeiten, damit unser Wohlstand auch morgen noch Bestand hat.“

Wirtschaftsökonom Bernd Raffelhüschen bezeichnet Reiches Vorschlag als „überfällig und generationengerecht“. Er kritisiert, dass Deutschland es „seit Jahrzehnten versäumt, das Renteneintrittsalter an die massiv gestiegene Lebenserwartung anzupassen, das war und ist der Fehler“. Früher arbeiteten Menschen 4,5 Jahre für ein Jahr Rente, heute sind es nur noch zwei Jahre. Diese Entwicklung sei eine erhebliche Rentenerhöhung, die kaum thematisiert werde.

Kontroverse um Reiches Rentenvorstoß: Mittelstand hat andere Priorität
Der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft zeigt sich zurückhaltend. Christoph Ahlhaus, Geschäftsführer des Verbands, betont die Bedeutung der Produktivitätssteigerung. Er fordert: „Unternehmenssteuern und Sozialversicherungsbeiträge runter – und weg mit überflüssiger Bürokratie.“ Dies sei effektiver als „ein lähmender Koalitionskrach um die verlängerte Lebensarbeitszeit“.

Ahlhaus stimmt zu, dass „wir im wirtschaftlichen Abstiegskampf wieder einen Gang hochschalten müssen“, aber die Wirtschaft müsse „endlich wieder produktiver werden“. Er konkretisiert: „Mehr schaffen, wenn wir schaffen.“

Kontroverse um Reiches Rentenvorstoß: Wirtschaftswissenschaftlerinnen sind skeptisch
Wirtschaftswissenschaftlerinnen wie Veronika Grimm und Monika Schnitzer äußern sich skeptisch. Grimm sieht Potenzial in einer stärkeren Arbeitsmarktintegration von Frauen durch bessere Kinderbetreuung. Schnitzer schlägt die Abschaffung des Ehegattensplittings als konkrete Maßnahme vor.

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