Die Co-Vorsitzende der Grünen Jugend, Jette Nietzard, wird nicht erneut kandidieren. In ihrem Statement kritisierte sie ihre Partei für mangelnden Rückhalt scharf.
Berlin – Die Bundessprecherin der Grünen Jugend, Jette Nietzard, hat am Dienstag angekündigt, im Herbst nicht erneut für das Amt in der Jugendorganisation kandidieren zu wollen. Das teilte sie in einem kurzen Videoclip auf der Social-Media-Plattform Instagram mit. Sie habe versucht, eine „linke Hoffnung“ und eine „linke Stimme“ in den Grünen zu sein, erklärte Nietzard in dem zweieinhalb Minuten langem Video. „In der ganzen Zeit habe ich versucht, Aufmerksamkeit auf linke Themen und auf Ungerechtigkeiten zu lenken“.
Grüne-Jugend-Chefin Nietzard tritt nicht erneut an und übt Kritik an ihrer Partei
Ihr Ziel seien dabei immer Menschen in Machtposition gewesen, die ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden seien. Auch wenn man ihre Art kritisieren könne, sei Nietzard stolz darauf, in ihrer Zeit als Vorsitzende der Grünen Jugend „immer nach oben getreten“ zu haben und nie nach unten. Scharfe Kritik übte Nietzard dabei auch an den Mitgliedern der Grünen. Einige seien lieber den Kampagnen rechter Medienhäuser hinterhergelaufen, „als sich mit ihren eigenen Leuten zu solidarisieren“.Grüne Jugend: Nietzard begründet Verzicht auf Kandidatur und – rechnet mit ihrer Partei ab
In Richtung des Grünen-Parteivorstands kritisierte Nietzard, man könne nicht einfach weitermachen wie bisher, wenn man die Spitze seines Jugendverbands und 700.000 Stimmen an die Linkspartei verliere. „Jetzt nach der Wahl veröffentlicht ihr mega tolle Papiere, aber mega tolle Papiere bringen den Menschen nach der Wahl hallt nichts, wenn man trotzdem versucht, aus allen Lagern Stimmen zurückzugewinnen.“ Grüne müssten die Konflikte da führen, wo sie sich für die Menschen lohnen würden – zum Beispiel bei Superreichen und Immobilienkonzernen, die für die Höhe der Mieten verantwortlich seien.
Mit ihren Ideen und Gedanken sei sie bei den Grünen „nicht immer auf Gegenliebe gestoßen“, sagt Nietzard weiter. Sie sei in Fraktionssitzungen ausgebuht worden und hochrangige Parteimitglieder hätten öffentlich ihren Rücktritt gefordert. „Das sollte nicht der Alltag einer Grünen-Jugend-Sprecherin sein“, führt Nietzard aus. Seit einiger Zeit sei klar, dass sie keine Zukunft in diesem Bundesvorstand haben könne. Ihr Verzicht auf eine erneute Kandidatur sei der Weg des geringsten Widerstandes, aber auch der Weg, „bei dem die Grüne Jugend weiter mit dem Bundesvorstand zusammenarbeiten kann.“ Bei ständigen Anfeindungen könne keine gute Politik entstehen, deswegen müsse sie jetzt die Konsequenzen ziehen, schließt Nietzard ihre Kritik an den Grünen.
Dennoch kündigte Nietzard an, dass sie – anders als ihre Vorgänger – sowohl Mitglied bei den Grünen, als auch in der Grünen Jugend bleiben wolle.
Nietzards Co-Chef erhebt schwere Vorwürfe gegen Grüne – „öffentlich eingedroschen“
Rückendeckung erhielt Nietzard am Dienstag von ihrem Co-Vorsitzenden bei der Grünen Jugend, Jakob Blasel. „Kritik gehört zur Auseinandersetzung. Rechten Schmutzkampagnen Feuer geben aber absolut nicht“, schrieb Blasel in einem Statement auf Instagram. Die Grünen hätten sich in der Ampel-Koalition mit SPD und FDP „bis zur Unkenntlichkeit“ zerrieben und von einem Rechtsruck mitreißen lassen, wirft Blasel seiner Partei vor. Die Grüne Jugend hätte deswegen versucht, die Partei aus der Bedeutungslosigkeit der Debatten herauszuführen.
„Genau das haben wir getan. Über Inhalte, Form und Ergebnis lässt sich bekanntermaßen gut streiten. Das ist aber leider nicht geschehen. Stattdessen haben Menschen aus der eigenen Partei lieber öffentlich auf eine Einzelperson eingedroschen, als sich mit ihren Inhalten auseinanderzusetzen.“ Blasel erklärte weiter, er habe großen Respekt vor Nietzards Entscheidung. „Die persönlichen Anfeindungen, die sie aus den eigenen Reihen erlebt hat, standen der politischen Auseinandersetzung im Weg. Dennoch bleibt Jette Teil unseres Verbandes und der Partei.“
