München – Er ist einer der wichtigsten Industriebosse Deutschlands, Chef von mehr als 33.000 Mitarbeitern in 30 Ländern – und zeichnet ein düsteres Bild von unserem Rentensystem!
Im „Handelsblatt“ warnt der CEO des Weltkonzerns „Knorr-Bremse“-Chef Marc Llistosella (58) vor dem Kollaps der gesetzlichen Rente. Er kritisiert die Politik für ihr Schweigen: „Wer sagt denn offen, dass unser Rentensystem in zehn Jahren so nicht mehr funktionieren wird?“. Von knapp 84 Millionen Einwohnern würden bereits 21 Millionen eine Altersrente beziehen. In einigen Jahren kämen noch einmal sieben Millionen Rentner dazu – Menschen, die das Rentensystem aktuell mit ihrem hohen Einkommen noch wesentlich stützen.
Die logische Folge, wenn sie schließlich ebenfalls in Rente gehen: noch weniger Beitragszahler, noch höhere Ausgaben für die Rentenversicherung!
Marc Llistosella (58) führt den Zulieferer Knorr-Bremse seit 2023.
Marc Llistosella (58) führt den Zulieferer Knorr-Bremse seit 2023.
Foto: Knorr-Bremse
► Dabei trägt sich der Generationenvertrag der gesetzlichen Rente schon heute nicht mehr. Eigentlich sollen die aktiven Beitragszahler für die Bezüge der jetzigen Rentner aufkommen. Um deren erworbene Ansprüche zu bedienen, musste der Staat aber schon 2024 stolze 117,9 Milliarden Euro an Steuergeld zuschießen – Rekord.
Llistosella mangelt es an Ehrlichkeit bei den politisch Verantwortlichen. Er rechnet vor: Wenn die Gesellschaft immer älter wird, dürfte auch das Steueraufkommen sinken. Heißt: Die Rente ließe sich nicht mehr quer finanzieren.
Chinesen „dreimal so schnell“
Der Firmenboss fordert: Schenkt den Menschen endlich reinen Wein ein! Und er führt einige Beispiele an, welche bitteren Wahrheiten ausgesprochen werden müssen:
► Rettung der Stahl- und Automobilindustrie? Mit den „höchsten Energie- und Arbeitskosten“ schlicht nicht möglich.
► Verkauf von Schlüsselunternehmen: oft die einzige Chance für die Wirtschaft. Er bezieht sich dabei auf die Übernahme des schwedischen Autokonzerns Volvo durch den chinesischen Konzern Geely.
Die Zahlen erschrecken: Immer mehr Rentner sind auf Stütze angewiesen. Die Gründe.
► Energiewende: Führt zu „massiven Verwerfungen“ und wird „sehr teuer für uns alle“.
Die Folge: Deutschlands wirtschaftliche Basis schrumpft. Um künftig noch ganz oben mitzuspielen, müssten Politik und Wirtschaft laut Llistosella mehr denn je auf Nischen sowie „Hoch- und Spitzentechnologien“ setzen – was in der Praxis aber nicht geschehe.
Zur Person: Der gebürtige Kölner Marc Llistosella (58, seine Eltern stammen aus Katalonien) ist seit zwei Jahren Vorsitzender des Vorstands von Knorr-Bremse – als vierter Vorstandschef innerhalb von drei Jahren. Er begann seine Karriere 1994 als Verkäufer bei der Mercedes Benz AG, 1997 stieg er dort zum Manager im Verkauf auf. Anschließend ging er 1998 zur Mercedes-Dachgesellschaft DaimlerChrysler AG, wo er bald einige Leitungspositionen bekleidete.
Die Knorr-Bremse AG ist bei der Entwicklung von Bremssystemen für Nutzfahrzeuge und Züge weltweit führend. Der Konzern erwirtschaftete 2023 laut eigenen Angaben mit seinen beiden Unternehmensbereichen einen Umsatz von rund 7,9 Mrd. Euro.
Marc Llistosella ist verheiratet und hat sechs Kinder.
Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben.
Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.
