Mein Mann hat aufgehört, Geld zu geben – nicht einmal fürs Essen, während ich unsere drei Kinder großziehe

— Jetzt überlegen wir uns etwas, mein Schatz, — sie strich ihrer Tochter mechanisch übers Haar. — Wir machen Sandwiches, ja?

— Aber du hast doch Makkaroni mit Käse versprochen! — schmollte Olya.

Wie auf Kommando kamen Sascha und Liza in die Küche.

— Mami, wann gibt’s denn endlich was zu essen? — klebte Liza an ihr und umschlang ihr Bein.

Anna öffnete den Schrank: eine halbe Brotstange, Butter gerade noch ein Rest, Salz.

Makkaroni waren da, aber ohne Käse würden die Kinder sie gar nicht erst ansehen.

Die Haustür flog auf. Igor.

— Hey, — warf er in den Raum und starrte zu Boden.

Die Kinder stürzten auf ihren Vater zu, doch er wich geschickt aus und verschwand im Bad.

Er kam erst zum Abendessen heraus – zwei Sandwiches auf dem Teller. Schweigend aß er sie und spülte mit Leitungswasser nach.

— Wir brauchen Lebensmittel, — Anna reichte ihm eine Liste. — Das Nötigste …

Igor warf einen flüchtigen Blick auf das Blatt. In seinen Augen zuckte kurz Scham, die sofort verlosch.

— Na gut, — brummte er und verschwand im Schlafzimmer.

Anna stand reglos mit dem Zettel in der Hand. So ging es inzwischen die zweite Woche.

— Kaufst du Käse, Papa? — schaute Sascha ihr hoffnungsvoll in die Augen.

— Natürlich, — sie zwang sich zu einem Lächeln.

In ihrer Tasche vibrierte das Handy.

— Tochter, wie geht’s euch da? — drang die besorgte Stimme ihrer Mutter ans Ohr.

Anna trat in den Flur:

— Mama, ich verstehe nicht … Wir haben nichts. Und Igor ist, als wäre er gar nicht da.

— Ich komme jetzt vorbei.

— Muss nicht, er …

— Ich fahre vorbei. Ich stelle es vor die Tür.

Eine Stunde später rettete die ersehnte Tüte die Situation. In der kleinen Innentasche lag ein Umschlag mit Geld.

In der Nacht weckte Anna ein Quietschen. In der Küche saß Igor – eine leere Brieftasche, ein schwarzer, ausgeschalteter Bildschirm.

„Fremdgehen?“ – dachte sie, doch es passte nicht. Keine Parfümspuren, keine verdächtigen Anrufe. Nur diese Leere in seinen Augen.

Sie erinnerte sich daran, wie sie vor drei Monaten Hotels am Meer ausgesucht hatten.

Wie er den Kindern Süßigkeiten brachte und ihr Feldblumen. Und dann war etwas zerbrochen …

Igors Telefon klappte auf. Er zuckte, griff danach, antwortete aber nicht.

Er starrte nur, bis der Anruf abbrach. Dann legte er den Kopf in die Hände.

Anna ging zurück ins Bett. Ein kalter Knoten der Angst schnürte ihr die Kehle zu.

Die Anrufe hatten begonnen. Was war mit ihrem Mann los?

Und vor allem – wie würde sie morgen die Kinder sattkriegen?

Die Küche duftete nach frischer Suppe – die rettende Tüte voll Vorräte hatte die Familie vor dem Hungern bewahrt.

Anna rührte die Suppe um und beobachtete die Kinder verstohlen.

Olya malte eifrig am Küchentisch, während die Jüngeren mit Kissen spielten und eine Art Festung bauten.

— Mami, kommt Papa bald? — fragte Olya, ohne den Kopf vom Bild abzuwenden.

— Wie immer abends, — antwortete Anna, doch das Messer in ihrer Hand zitterte.

Gestern war ihr etwas Merkwürdiges aufgefallen – Igors Schuhe waren ungewöhnlich sauber, ohne einen Krümel Straßendreck.

Als hätte er … nirgendwo anders betreten. Aber warum dann tagsüber das Haus verlassen?

— Olyenka, pass bitte auf deinen kleinen Bruder und deine Schwester auf. Ich gehe schnell einkaufen.

Draußen auf der Straße blickte Anna hastig umher. Ein feiner Regen prasselte auf den leeren Hof.

In der Ferne huschte eine vertraute Gestalt vorbei. In sicherer Distanz folgte sie ihrem Mann.

Igor ging langsam, blieb ab und zu vor Schaufenstern stehen. Nicht zur U-Bahn, nicht zur Haltestelle – er schlenderte ziellos umher.

Nach zwanzig Minuten bog er in einen Park ein und ließ sich erschöpft auf eine Bank fallen. Anna versteckte sich hinter einem Baum.

— Was sagen, Igor?! — sie machte einen Schritt nach vorn.

Sein Schrei weckte Liza. Aus dem Kinderzimmer ertönte ein verängstigtes Schluchzen.

— Großartig, — zischte Anna zwischen den Zähnen, als sie das Zimmer verließ.

Aber weißt du … — er machte eine Pause — dort arbeiten gute Leute.

Ein ehemaliger Finanzdirektor sagt, er hält sich so schon seit einem halben Jahr über Wasser, aber wenigstens hungert seine Familie nicht.

— Du schaffst das, — sagte Anna und legte ihre Hand auf seine.

— Wir schaffen das gemeinsam.

Sie schliefen in dieser Nacht mit den Händen ineinander verschlungen ein. Noch lagen viele Prüfungen vor ihnen.

Aber das Wichtigste war: Sie waren wieder eine Familie, bereit, jeder Herausforderung Schulter an Schulter zu begegnen.

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